"Huckepack"-Werbung für euer Buch (Gabi Neumayer)

"Huckepack"-Werbung: So nenne ich die Maßnahmen, die ich euch heute vorstelle - weil sie einfach als zusätzliches Element einem bereits existierenden Kommunikationskontakt hinzugefügt werden können. Dafür braucht man also weder irgendwo hinzugehen noch Kontakte neu zu knüpfen.

Diese Ideen sind außerdem als Aufwärmmaßnahmen für diejenigen besonders geeignet, die sich gerade beim ersten Buch noch scheuen, offensiv auf ihr Buch aufmerksam zu machen. Außerdem kostet die Umsetzung dieser Ideen fast bis überhaupt nichts.

Die Ausgangssituation: Euer Buch ist in der Endphase der Herstellung oder auch gerade erschienen. Ihr wollt nun natürlich alle Welt darauf aufmerksam machen. Am besten beginnt ihr damit bei eurer eigenen Welt:

Immer ein Buch in der Tasche

Die erste Maßnahme: Sorgt dafür, dass ihr euer Buch immer in mindestens einem Exemplar bei euch habt, wo ihr auch seid. Wenn ihr mit jemandem über euer Buch ins Gespräch kommt, könnt ihr es gleich hervorholen. Besonders bei Büchern, in denen die Illustrationen oder die Gestaltung eine große Rolle spielen, ist das sinnvoll. Die Gesprächspartnerinnen und -partner verbinden dann auch optisch etwas mit dem Buch und können sich darüber hinaus einen ersten eigenen Eindruck verschaffen.

Infozettel und Lesezeichen

Leider sind gerade die Bücher mit einem starken Illustrationenanteil (zum Beispiel Bilderbücher, Fotobände) meist auch besonders groß, schwer und unhandlich, so dass es schon einigen Aufwand bedeutet, sie ständig bei sich zu haben. Eine andere Möglichkeit, trotzdem einen visuellen Eindruck des Buches zu vermitteln: Führt immer mehrere Infozettel mit euch, die ihr allen in die Hand drückt, mit denen ihr sprecht.

Für meine Bilderbücher habe ich dazu jeweils das Cover schwarzweiß kopiert. (Farbe ist bei Kopien gleich erheblich teurer. Wer seine Cover hingegen einscannen und farbig ausdrucken kann, wird diese Möglichkeit sicher gern nutzen.) In der Größe habe ich es verändert, bis es etwa ein Drittel eines DIN-A5-Blattes einnahm, so dass unten und rechts noch Platz für Text blieb. Rechts neben die Abbildung habe ich eine kurze Inhaltsangabe gesetzt und die Angaben zum Buch wie: Titel, Autorin,Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenzahl, empfohlenes Lesealter und ISBN. Auf den freien Platz unten habe ich handschriftliche Grüße gesetzt und später, nachdem einige gute Rezensionen erschienen waren, Ausschnitte aus diesen Besprechungen (natürlich mit Angabe des Mediums).

Bei Sachbüchern kann man statt der Illustration zum Beispiel einige Tipps aus dem Buch in Stichworten aufführen - gerade bei Ratgebern lässt sich dadurch der praktische Nutzen des Buches dokumentieren.

Später habe ich für meine Kinderbücher auch farbige Lesezeichen (Kopien auf farbigem Karton) mit den wesentlichen Infos und einigen besonders schönen Illustrationen hergestellt. Gegenüber den Zetteln haben sie den Vorteil, dass sie nicht nur einen Informations-, sondern auch einen praktischen Nutzen haben.

Diese kleinen Werbehilfen kann man anderen persönlich in die Hand drücken; man kann sie aber auch allen Briefen beilegen, die man verschickt. Und schließlich kann man Buchhandlungen bitten, sie auszulegen oder den Kundinnen und Kunden mit in die Einkaufstüten zu legen (was dann aber keine "Huckepack"-Werbung mehr ist, sondern einen Extraaufwand erfordert).

Rund um Brief, Telefon und E-Mail

Wir alle kommunizieren fast unentwegt, auf verschiedenen Wegen: von Angesicht zu Angesicht, per Brief und Postkarte, über Telefon und AB, per E-Mail. Und überall können wir einen Hinweis auf unser neues Buch hinzufügen.

Wie wäre es beispielsweise mit einem Aufkleber für Postkarten und Briefe/Briefumschläge? Achtet nur darauf, dass alle notwendigen Infos für den Kauf des Buches aufgeführt sind. Auch eine kleine Abbildung kann durchaus integriert werden, ohne den Aufkleber auf eine protzige Größe aufzublasen. Alternativ könnt ihr einen Stempel anfertigen (lassen).

Wer einen Anrufbeantworter hat, kann eine Info zum Buch in die Ansage integrieren. Um Anrufende nicht zu verärgern, sollte dieser Text aber wirklich sehr, sehr kurz sein und möglichst öfter einmal geändert werden! Wer einen Ratgeber geschrieben hat, kann beispielsweise jeden Tag oder jede Woche einen neuen, besonderen praktischen Tipp daraus auf den AB sprechen.

Wer E-Mail nutzt und seinen E-Mails eine Signature hinzufügen kann, sollte das ebenfalls für eine Buchinformation nutzen. Und wessen Mailprogramm keine Signature ermöglicht, kann natürlich trotzdem einen Textblock in jede Mail einfügen.

Publikationen

Wenn ihr Artikel, Selbstvorstellungen für Anthologien und Ähnliches schreibt, dann nutzt auch dort die Möglichkeit, für euer Buch zu werben - sofern euch das erlaubt wird. Zum Beispiel veröffentlichen wir ja im Tempest unter jedem Artikel ein Kurzporträt des Autors, der Autorin, wo solche Informationen Platz finden können. (Na, ist das nicht ein Anreiz, uns mal einen Artikelvorschlag zu machen?!) Beispiele für solche Kurzporträts findet ihr direkt in diesem Tempest.

Kommunikation bewusst angehen

Ein letzter Tipp zur "Huckepack"-Werbung: Macht euch bei jedem Kommunikationskontakt unabhängig vom aktuellen Anlass Gedanken darüber, mit wem ihr da eigentlich kommuniziert. Ist die Freundin, der man ein Rezept schickt, auch Lehrerin? Vielleicht kann sie mit dem Buch in der Schule arbeiten? Oder ist ein Geschäftskunde gleichzeitig Redakteur einer Publikation, in der er euer Buch vorstellen könnte? Doch das reicht schon in den Bereich "Networking" hinein, um den es in einem der nächsten Tempests gehen wird.

Und jetzt noch einmal:

Schickt mir eure eigenen Marketingideen! Das macht so gut wie gar keine Arbeit, denn ich erwarte keine vollständigen Artikel - nicht einmal vollständige Sätze ... Schreibt mir einfach eure Idee in einigen Stichworten oder wenigen Sätzen auf - ich baue sie dann in einen der nächsten Marketingideen-Artikel ein (und nenne euch natürlich außerdem - unter "Danke!", s. u.).

Noch mal zur Anregung: Was habt ihr schon selbst versucht? Was hat gut geklappt - was weniger gut? Welche Tipps habt ihr für gute Anschreiben an Verlage? Kennt ihr andere Huckepack-Maßnahmen? Und, weil es hier bald darum gehen wird: Was fällt euch zum Thema "Networking" für die Vermarktung eurer Bücher ein? Was kann und sollte man alles schon vor Erscheinen des Buches tun? Wie schon gesagt: Wenn ich nur aus meinem eigenen Fundus schöpfen kann, werden wir diese Rubrik sehr bald einstellen müssen ...

Danke!

Für einen besonders guten Tipp für diesen Artikel: einen herzlichen Dank an Ramona Roth-Berghofer!

 
Stand: 2001-06-16