Kann ich als Probetext für ein Buchexposé einen Fachartikel beilegen?

Ich arbeite derzeit an einem [...] Fachbuch. Das Buchkonzept ist fertig, und nun steht die Arbeit am Exposé an. Vor kurzem veröffentlichte ich eine Fachzeitschrift, die in einem Teil auch das Thema meines geplanten Buches aufgreift. Nun ist meine Frage, ob ich eine Kopie dieses Kapitels dem Exposé als Probetext beilegen kann oder ob ich einen eigenen Probetext für das geplante Buch formulieren soll.

Ich würde den Artikel auf jeden Fall beilegen (als Beleg für Ihre Expertise), für das Buch aber unbedingt eine neue Leseprobe schreiben. Ohne die näheren Details zu kennen, hier einige Anmerkungen dazu (Sie können ja dann sehen, was bei Ihnen wie stark zutrifft):

  • Die Zielgruppe von Artikel und Buch ist vermutlich nicht dieselbe. Dann muss der Stil der Leseprobe anders sein als der des Artikels.
  • Ein Artikel fasst in der Regel mehr zusammen als ein Buchkapitel, da man sich in einem Buch "mehr ausbreiten" kann – und auch sollte.
  • Der Aufbau des Buches und der Kapitel, der Stil etc. sollten sowohl zum Verlag (oder zum angestrebten Verlag) als auch zur Länge des Mediums Buch passen – und die werden sich sicher von denen des Artikels unterscheiden.

Und nicht zuletzt, so banal das klingt:

  • Wenn Sie einen fertigen Artikel beilegen, zeigt das zwar, dass Sie einen Artikel schreiben können – aber es sagt noch nicht sehr viel darüber aus, ob Sie auch mit den Anforderungen eines kompletten Buches zurechtkommen.

Nachfrage:
Vielen Dank für Ihre Antwort. Die vergangenen Wochen nutzte ich, um einen Probetext für das geplante Buch zu schreiben. [...] Eine Frage kam mir beim Schreiben noch: Manchmal würde ich – von meinem Gefühl heraus – den Leser gerne direkt ansprechen. Allerdings ist das ja, wenn ich das richtig überblicke, eher Ratgeber-Stil und nicht in Fachbüchern üblich. Liege ich damit richtig, und sollte ich mich eher an die Fachbuch-Norm halten?

Antwort:
Eine definitive Antwort habe ich dafür nicht, das hängt auch stark vom Thema ab. Generell ist es auch im Fachbuch nicht unmöglich – ich würde an Ihrer Stelle aber vor allem die Bücher der Verlage, die Sie ansprechen wollen, daraufhin prüfen, ob das dort irgendwo vorkommt. Wenn nein, können Sie sich nichtsdestotrotz aber immer noch dafür entscheiden, wenn es in Ihren Augen sinnvoller ist als die Alternative!

Wenn Sie sich allerdings dafür entscheiden, die LeserInnen direkt anzusprechen, dann sollten Sie das entweder durchgängig machen – oder sich klar auf bestimmte Textelemente beschränken (Tipp-Kästen, Zusammenfassung am Ende eines Kapitels o. Ä.).

beantwortet von: Gabi Neumayer (11-9)