Editorial
Hall of Fame
Neues aus der Buchszene
Praxistipp
„Blende alle Tipps erst mal aus“
von Klaus Eckardt
Autorenwissen
„Mut zu experimentellen Kurzgeschichten!‟
von Arwed Vogel
„7 Dinge über künstliche Intelligenz, die Autorinnen und Autoren wissen sollten“
von Hans Peter Roentgen
Impressum
Liebe Autor*innen,
der Praxistipp heute: Vergesst erst mal alle Tipps! Was es damit auf sich hat, erklärt Klaus Eckardt.
KI beschäftigt uns alle, wir können gar nicht anders. Hans Peter Roentgen zeigt uns diesmal, was wir als Autor*innen über KI wissen sollten. (Den dritten Teil seines Artikel über Schreiben und unser Gehirn werden wir in einer der kommenden Ausgaben nachreichen.)
Und für die Schreiber*innen von Kurzgeschichten hat Arwed Vogel einige besondere Anregungen: Warum sich nicht mal an experimentellen Kurzgeschichten versuchen?
Mit dem großen Netz ist Ramona Roth-Berghofer wieder durchs Internet gegangen; ihre Funde für Autor*innen findet ihr in den „News“.
Zitat des Monats, diesmal von Ama H. Vanniarachchy:
Words are my weapons. They might kill or cure the readers, that’s out of my control.
Auch in den heißen Tagen braucht der Tempest eure Unterstützung, um zumindest unsere Kosten zu decken. Bitte überweist uns etwas - jeder Euro hilft! Die Daten dazu findet ihr wenige Zeilen unter dieser hier. Und nun kommt gut in den Sommer!
Gabi Neumayer
Chefredakteurin
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ISSN 1439-4669 Copyright 2026 autorenforum.de. Copyright- und Kontaktinformationen am Ende dieser Ausgabe
INHALT DIESER AUSGABE
TEIL 1
Editorial
Hall of Fame
Neues aus der Buchszene
Praxistipp
„Blende alle Tipps erst mal aus“
von Klaus Eckardt
Autorenwissen
„Mut zu experimentellen Kurzgeschichten!‟
von Arwed Vogel
„7 Dinge über künstliche Intelligenz, die Autorinnen und Autoren wissen sollten“
von Hans Peter Roentgen
Impressum
TEIL 2 (in separater E-Mail, falls ebenfalls abonniert)
Veranstaltungen
Ausschreibungen
Publikationsmöglichkeiten
mit Honorar
ohne Honorar
Seminare
Messekalender
HALL OF FAME (
Die „Hall of Fame“ zeigt die Erfolge von AbonnentInnen des Tempest. Wir freuen uns, wenn ihr euch davon motivieren und ermutigen lasst - dann werden wir euer neues Buch hier bestimmt auch bald vorstellen können.
Melden könnt ihr aktuelle Buchveröffentlichungen (nur Erstauflagen!) nach diesem Schema:
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AutorIn: „Titel“, Verlag Erscheinungsjahr (das muss immer das laufende oder das vergangene Jahr sein!), Genre (maximal 2 Wörter). Zusätzlich könnt ihr in maximal 60 Zeichen (nicht Wörtern!) inklusive Leerzeichen weitere Infos zu eurem Buch unterbringen, zum Beispiel eine Homepage-Adresse.
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Ein Beispiel (!):
Johanna Ernst: „Der Fall der falschen Meldung“, Hüstel Verlag 2015, Mystery-Thriller. Dann noch 60 Zeichen - und keins mehr! Inklusive Homepage!
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Ausgeschlossen sind Veröffentlichungen in Anthologien, Bücher im Eigenverlag und BoDs (sofern sie im Eigenverlag erschienen sind) sowie Veröffentlichungen in Druckkostenzuschussverlagen.
ACHTUNG!
Schreibt in eure Mail mit der Meldung immer auch hinein, dass ihr bestätigt, dass die Veröffentlichung weder im Eigenverlag noch in einem Verlag erschienen ist, bei dem der Autor irgendetwas bezahlt hat! Als Bezahlung gilt auch, wenn er Bücher kostenpflichtig abnehmen muss, Lektorat bezahlt o. Ä.
Schickt eure Texte unter dem Betreff „Hall of Fame“ an d
Wir berücksichtigen ausschließlich Meldungen, die nach dem obigen Schema gemacht werden und die Bestätigung zum Verlag enthalten. Änderungsaufforderungen zu Meldungen, bei denen das nicht der Fall ist, werden nicht mehr verschickt!
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NEUES AUS DER BUCHSZENE (
Wir leben in turbulenten Zeiten, die Buchbranche ist in Bewegung wie nie zuvor. Ob es nun um KI geht, die zunehmende Digitalisierung des Marktes oder all die neuen Chancen und Möglichkeiten, die sich Verlagsautoren und professionellen Selfpublishern bieten: Eine Nachricht jagt die nächste. Damit ihr den Überblick behaltet und nichts Wichtiges verpasst, fassen wir hier alle interessanten Links zusammen, die uns jeden Monat ins Auge fallen - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Verlage / Buchmarkt / Buchhandel
Josia Jourdan: Die drei Monate und der Tod: Warum der Buchmarkt sein eigenes Grab schaufelt.
Börsenblatt Young Excellence Award: Melina Kern: New Adult braucht Social Media.
Neuer Romance-Buchladen hat in Berlin-Schöneberg eröffnet und sich der eBuch angeschlossen.
S. Fischer zieht von Frankfurt nach Berlin: Wo bleibt die Provinz?
Fokustage Börsenverein: IG Ratgeber und Reise: „Wir sind permanent auf der Suche nach Trends.“
Hugendubel übernimmt Buchhandlung in Hamburg-Hoheluft.
Zusammenschluss zweier queerer Verlage im Pride Month Juni.
Podcast / Interview
Christine Westermann über das Lesen, das Bücherempfehlen und das Literarische Quartett.
Literaturszene / Politik
Aussteiger:innen aus dem Literaturbetrieb - Teil 1: Wer bin ich, wenn ich nicht schreibe?
Klett-Umfrage: Rund 70 Prozent der Lehrkräfte sehen Rückgang zentraler Basiskompetenzen.
SPIEGEL-Bericht: Bundesregierung lässt frühkindliche Leseförderung auslaufen.
Zwischen Bestseller und Brainrot - wie der Markt die Literatur sortiert.
Honorare in der Buchbranche: re:publica-Auftritt löst Debatte aus.
International
In Japan sterben die Buchhandlungen.
KI
Urteil des Landgerichts München: Google ist für Aussagen in KI-Übersichten verantwortlich.
Kaufen KI-Unternehmen deutsche Antiquariate leer?
Wie man erkennt, ob ein Roman mit KI geschrieben wurde.
Ruf nach Regulierung: In den USA rollt eine Wutwelle gegen KI.
PRAXISTIPP (
Kurz und knackig: Hier findet ihr Tipps aus jedem Bereich des Schreibens und Veröffentlichens. Teilt eure eigenen Tipps doch auch mit unseren Leser*innen!
„Blende alle Tipps erst mal aus‟
von Klaus Eckardt
Wenn du im Schreibfluss bist, verschwende keinen Gedanken daran, ob das Bild, das du gerade gefunden hast, stimmig ist, ob das Adjektiv wirklich sein muss oder ob der Satz zu lang ist. Das alles kannst du beim Überarbeiten klären. Denn wer mit der „Schere im Kopf“ ans Werk geht, bremst die eigene Kreativität aus.
So ähnlich arbeitete übrigens auch Altmeister Walt Disney, der den kreativen Prozess in drei Bereiche trennte: das Träumen, das Realisieren und das (wohlwollende) Kritisieren. Zunächst dürfen die Ideen ganz ungefiltert fließen, dann werden Wege gesucht, sie umzusetzen, und erst im Anschluss daran wird das Ganze kritisch untersucht. Und wenn der innere Kritiker schon frühzeitig eingreifen will, wird er auf eine imaginäre „Galerie" gesetzt und darf von dort aus zuschauen …
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Der Tipp stammt aus dem „Einfach-schreiben-Buch“ von Klaus Eckardt (Paperento-Verlag 2025), www.dein-schreibocoach.de.
AUTORENWISSEN (
„Mut zu experimentellen Kurzgeschichten!‟
von Arwed Vogel
Die Kurzgeschichte bietet viel größere literarische Möglichkeiten, als die meisten ahnen. Wir sind es gewohnt, klassische Kurzgeschichten zu schreiben, uns auf einen schmalen Handlungsrahmen zu beschränken, das Personal streng zu begrenzen, vielleicht bestenfalls noch mit einer Pointe zu arbeiten, die den Leser überrascht. Dabei kann die moderne Kurzgeschichte so viel mehr: Sie ist ein spannendes Experimentierfeld, um sowohl inhaltlich als auch sprachlich neue Ideen umzusetzen.
Das Schöne daran: Hier, auf der kurzen Strecke, können wir uns gefahrlos ausprobieren. Scheitern ist erlaubt, der Aufwand ist ja gering. Und gerade diese Freiheit führt oft zu den interessantesten Texten.
Insofern ist es erstaunlich, wie wenig Schreibende sich an solche Formexperimente heranwagen. Das ist schade, denn nur diejenigen, die experimentieren, können sich und die Literatur weiterentwickeln. Jedes gelungene literarische Experiment leistet einen Beitrag zur Vielfalt der Literatur.
Dabei ist es gar nicht nötig, das Rad gleich neu zu erfinden. In der Moderne und Postmoderne gibt es so viele neue Momente, die sich auch heute aufgreifen und variieren lassen – und sie alle führen zu einer neuen literarischen Ausdrucksweise.
Hier möchte ich ein paar Beispiele dafür vorstellen. Sie stammen aus meinem Buch „Kurzprosa schreiben – klassisch modern – experimentell“ (Allitera-Verlag, München, 2026).
Die Bewusstseinsgeschichte
Klassische Kurzgeschichten erzählen meistens aus der Außenperspektive. Gedanken und Gefühle der Figuren kommen kaum vor, noch weniger die tiefe Erforschung von Bewusstseinsvorgängen. Diese Kurzgeschichten beschreiben die Handlung, kurz die Figur, aber alle Vorgänge werden von außen beleuchtet – bis hin zum Blitzlichteffekt, der den Leser geblendet zurücklassen soll. Alles erschließt sich aus äußerer Handlung.
In der Moderne wurde aber gerade das Innenleben einer Figur interessant. Um die Darstellung der Innenperspektive im Rahmen einer Kurzgeschichte zu ermöglichen, entwickelten viele Autorinnen und Autoren neue literarische Formen. Besonders eine Variante davon, die Bewusstseinsgeschichte, ist bis heute wichtig.
In der Bewusstseinsgeschichte bleibt der äußere Rahmen sehr handlungsarm. Eine Figur sitzt z. B. in einem Stuhl in ihrem Zimmer, in einem Café, in einem Eisenbahnabteil. Zwischen diesen kurzen äußeren Beschreibungen stellen wir ausführlich die Innenperspektive der Figur dar. Das kann ein Gedankenbericht sein oder erlebte Rede oder ein assoziativer Innerer Monolog.
Asymetrischer Wechsel zwischen äußerer und innerer Handlung
Den Kurzgeschichteneffekt erzielen wir durch die wiederholte Rückkehr zur äußeren Handlungsebene (Sie sitzt in ihrem Zimmer, wartet auf die angekündigten Gäste, denkt über sie nach – blickt auf die Uhr, jetzt müssten sie gleich kommen – versinkt erneut in Gedanken – horcht auf, ob das eben nicht schon die Haustür war usw.). Der Fokus aber liegt auf der Innenperspektive, wo sich die verschiedensten inneren Verflechtungen und Vorgänge finden (Wie war es damals, als wir uns kennenlernten? Wie hat sich unsere Freundschaft über Jahrzehnte entwickelt? Was für ein Mensch ist aus mir geworden? Usw.). Berühmte Beispiele stammen von Virginia Woolf, „Der Fleck an der Wand“, oder von Heinrich Böll, „Bis dass der Tod euch scheidet“.
Die Gleichzeitigkeitsgeschichte
Einen ganz anderen Weg wählt die Gleichzeitigkeitsgeschichte. Hier finden wir nicht wie in der klassischen Kurzgeschichte eine einzelne lineare Handlung mit geringem Personal, nein, die Gleichzeitigkeitsgeschichte verwebt mehrere kurze Handlungslinien ineinander. Diese werden (ähnlich wie in der klassischen Kurzgeschichte und ganz anders als in der Bewusstseinsgeschichte) vor allem in der Außenperspektive dargestellt.
Wir schildern einzelne Handlungsmomente mit verschiedenen Personen, die auf den ersten Blick gar nichts miteinander zu tun haben. Das Verbindende dieser Momente ist der gemeinsame Ort, an dem sich die Figuren befinden. Das kann zum Beispiel ein belebter Platz sein oder ein Park, ein Kreuzfahrtschiff, ein Zug, ein Strandabschnitt, eine Kneipe oder ein Gartenrestaurant.
Die Einheit des Ortes ist quasi gegeben. Was die Figuren verbindet, ist ein ähnliches Problem, das alle haben: etwa Alter oder Liebe oder Lust.
Abwechselnd geben wir die kurzen Handlungsmomente wieder und erzeugen so ein multiperspektivisches Erzählen im Rahmen einer kompakten Kurzgeschichte. Das ist nicht ganz leicht zu schreiben, hier lohnen sich mehrere Versuche. Die Leserinnen und Leser dürfen das Konstruktionsprinzip, das gemeinsame Thema, nicht auf Anhieb durchschauen.
Gleichzeitig muss dieses Thema dennoch so einheitlich sein, dass sie die einzelnen Handlungsmomente als zusammenhängend empfinden. Hier hilft es, viele solcher Geschichten zu lesen und nach und nach ein Gespür dafür zu entwickeln, was man seinen Leserinnen und Lesern zutrauen kann und sollte. Zum Einstieg kann ich von Friedo Lampe „Lustgarten 23.30 Uhr abends“ empfehlen.
Literatur in neuen Räumen
Die klassischen Kurzgeschichten und die beiden oben beschriebenen modernen Formen werden meist auf Papier gedruckt. Ein anderes postmodernes Experiment besteht in der Veränderung der Publikationsbedingungen: Müssen Kurz- und Kürzestgeschichten denn immer in Büchern stehen? Oder finde ich andere Orte, an denen ich sie veröffentlichen kann?
Es gab Kurzgeschichten auf Bäckereitüten, auf Zigarettenschachteln, auf Straßenbahnen, auf Telefonkarten und auf Klopapier. Texte wurden im Literaturtelefon vorgelesen und an Hauswände projiziert. Sie haben dort ganz andere Rezeptionsbedingungen und eine neue Öffentlichkeit gefunden. Warum also sollten wir nicht versuchen, gerade heute neue Publikationsformen für literarische Texte zu entdecken und auszuprobieren? Ob als Einzelner oder als Schreibgruppe, hier können wir für die Literatur - gerade für den kurzen Text - ganz neue Wirkweisen erschließen.
Ein aktuelles Beispiel dafür ist das österreichische Literaturmagazin „Cognac&Biskotten“. Deren Ausgaben erscheinen an verschiedenen Orten des Alltags, an denen keine Literatur erwartet wird, wie Straßenbahnen, Türanhänger, Fahnen, Tattoos auf der Haut von AutorInnen. Literatur wird niedrigschwellig im Alltag sichtbar und erlebbar, die Leserinnen und Leser werden angeregt, selbst die Poesie, das Spielerische oder das Absurde im täglichen Leben zu entdecken.
Diese drei Beispiele stellen nur einen kleinen Ausschnitt dessen dar, was besonders seit der Moderne und Postmoderne ausprobiert wurde. Haben wir den Mut zu Experimenten! Bringen wir die Literatur weiter, indem wir nach neuen Formen forschen, um neue Inhalte angemessen zu formulieren!
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Arwed Vogel arbeitet seit fast vierzig Jahren als Schriftsteller und Dozent für Kreatives Schreiben und Poetik an der LMU München und Bildungseinrichtungen in Deutschland und Österreich. Sein Buch „Der Roman“ (Allitera-Verlag) zeigt die wichtigsten Schreibtechniken. Er ist Landesvorsitzender des VS Bayern und leitet die Literarische Sommerakademie Schrobenhausen. www.literaturprojekt.com
AUTORENWISSEN (
„7 Dinge über künstliche Intelligenz, die Autorinnen und Autoren wissen sollten“
von Hans Peter Roentgen
Eine KI ist kein Mensch
Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Aber viele vermenschlichen die KI, wie sie es auch bei Hunden und Katzen tun. Für Menschen ist es beispielsweise selbstverständlich, dass manche Menschen machthungrig sind. Ich kenne etliche, denen ich zutraue, dass sie die Weltherrschaft erringen wollen. Aber eine KI?
Sie hat keine Gefühle, keine Wünsche. Und sollte tatsächlich einmal der Verdacht aufkommen, dass sie die Weltherrschaft anstrebt, würde ich auf die Suche nach dem Menschen gehen, der sie dafür benutzen will. Es gibt Bestrebungen, KI mit Gefühlen und Wünschen zu erstellen; doch bis dahin werden noch viele Bytes durchs Internet strömen.
KI wird in Zukunft Kunst schaffen
Die Befürchtung taucht immer wieder auf, zusammen mit der Vorstellung, KI könne viel bessere Kunst schaffen. Deshalb würde es sich nicht mehr für Menschen lohnen, Kunst zu betreiben.
Aber zur Kunst gehören Gefühle und der Wunsch, sie auszudrücken. Beides hat die KI nicht. Sie ist mit unendlich vielen Texte trainiert worden (ohne dass die Urheber dieser Texte um Erlaubnis gefragt oder gar bezahlt worden wären). Sie weiß deshalb innerhalb ihrer Grenzen, was ankommt.
Aber sie setzt sich nicht nach einem tollen Sonnenuntergang hin, weil sie dieses Bild unbedingt malen muss. Und sie schreibt auch keinen Roman, wenn sie verlassen worden ist, um dieses Trauma zu verarbeiten.
Und obwohl Computer mittlerweile besser Schach spielen können als Menschen, gibt es weiterhin Schachspiele und Meisterschaften für menschliche Schachspieler.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser (Lenin)
KI fantasiert, und auch, wenn das weniger wird, so wird es doch nie verschwinden. Weil es im Konstruktionsprinzip angelegt ist. KI greift zu der wahrscheinlichsten Lösung. Aber sie kann nicht entscheiden, ob diese auch sinnvoll ist. In dem riesigen Datenraum, mit dem sie arbeitet, nimmt sie das Nächstliegende, das Wahrscheinlichste. Ob es stimmt, kann sie nicht entscheiden. Deshalb müssen KI-Lösungen auch immer von Menschen überprüft werden.
Kein Roman wird nur von einer Person oder einer KI geschrieben
Schon viele Jahrzehnte vor der KI haben Lektoren, Verlegerinnen, Korrektoren, Setzerinnen und Buchhändlerinnen Autoren unterstützt. Die Idee, dass ein Genie alles völlig allein produziert, ist in Deutschland immer noch beliebt, hat aber nie gestimmt.
Ähnlich ist es mit der Vorstellung, man könne eine KI ganz alleine einen Roman schreiben lassen. „Liebe KI, schreib mir bitte einen tollen Roman‟, das wird zwar einen Text produzieren, aber einen, der von „toll‟ Meilen entfernt ist.
Aber man kann eine KI tatsächlich auch für das Romanschreiben nutzen. Bei der Rechtschreibprüfung, bei der Frage: „Wo könnte ich etwas verbessern?‟, und auch beim Satz ist sie extrem nützlich. (Allerdings gab es schon vor der KI Programme, die das konnten.) Und auch als Sparringspartner taugt sie.
Sie können die KI leider auch Ihre Szenen schreiben lassen. Wenn es ihnen egal ist, was in Ihrem Text steht. Wenn für Sie die Hauptsache ist, sagen zu können: „Ich bin toll, ich habe einen Roman geschrieben.‟ Für mich ist das so, als ob man den Sparringspartner in den Ring schickt, weil man selbst sich nicht traut, den Kampf zu bestehen.
Hinzu kommt, siehe oben: Sie müssen die KI nachkontrollieren, selbst wenn Sie Ihr die Aufgabe des Schreibens übertragen.
Wie kann man KI-Texte erkennen?
Immer wieder werden „typische‟ KI-Merkmale vorgestellt: Gedankenstriche, Wiederholungen von Satzkonstruktionen, einschläfernder, gleichförmiger Stil und vieles mehr.
Ich lektoriere seit über zwanzig Jahren Anfängertexte, und verrate Ihnen jetzt etwas: Diese angeblichen unfehlbaren Zeichen von KI-Texten habe ich schon lange vor KI in Texten überarbeiten müssen. Es sind die typischen Anfängerfehler. Und da die KI auch mit zahlreichen Anfängertexten trainiert wurde, ist es kein Wunder, dass sie diese wiederholt.
Was Sie erkennen können: Ein Text mit diesen Problemen stammt entweder von einem Anfänger oder einer KI, die von einem Anfänger gesteuert wurde.
Wenn ein Profi eine KI steuert, fällt ihm das auf, und er wird es verbessern und in den Systemprompts dafür sorgen, dass solche Fehler nicht gehäuft auftauchen.
KI-Erkennungsprogramme
Natürlich gibt es mittlerweile KI-Programme, die versprechen, sie könnten erkennen, ob eine KI einen Text geschrieben hat oder ein Mensch. Manche dieser Programme bieten dem Nutzer gleichzeitig an, die Texte so zu überarbeiten, dass keine KI es als KI geschrieben erkennt ...
Nicht alles glauben, was Medien schreiben
Vergessen Sie nie: Hinter den vielen KIs stehen riesige Firmen. Und die betreiben PR, Werbung. Sie sind von ihren Produkten überzeugt, und diese Werbung ist alles andere als objektiv.
Leider übernehmen viele Medien diese PR. Da wird gemeldet, was die KI alles selbst erstellt hat, etc. pp.
Mein Tipp: Denken Sie daran, hinter jeder KI steht ein Mensch, der ihr die Prompts vorgegeben hat. Und ohne zu wissen, wer das getan hat und wie seine Befehle aussahen, können Sie nicht beurteilen, was die KI beigetragen hat.
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Hans Peter Roentgen ist Autor der Bücher „Vier Seiten für ein Halleluja“ über Romananfänge, „Drei Seiten für ein Exposé“, „Schreiben ist nichts für Feiglinge“ und „Klappentext, Pitch und weiteres Getier“. Außerdem hält er Schreibkurse und lektoriert.
UNSERE EXPERTINNEN UND EXPERTEN
Bitte schickt den Expert*innen nur Fragen zu ihrem Expertenthema - keine Manuskripte zur Beurteilung. Bitte verseht jede Anfrage mit einem aussagekräftigen Betreff. Sonst kann es sein, dass die Mail vorsichtshalber gelöscht wird.
Fragen (anonymisiert) und Antworten werden in der Regel hier im Tempest veröffentlicht, damit auch andere Autor*innen davon lernen können. Wer das aber nicht möchte, schreibt das bitte ausdrücklich dazu.
| Drehbuch | Oliver Pautsch | |
| Fantasy | Stefanie Bense | |
| Heftroman | Arndt Ellmer | |
| Historischer Roman | Titus Müller | |
| Kinder- und Jugendbuch | Sylvia Englert | |
| Kriminalistik | Kajo Lang | |
| Lyrik | Martina Weber | |
| Marketing | Maike Frie | |
| Sachbuch | Gabi Neumayer | |
| Schreibaus- und -fortbildung | Uli Rothfuss | |
| Schreibhandwerk | Ute Hacker | |
| Science-Fiction | Andreas Eschbach |
Veranstaltungen, Ausschreibungen, Publikationsmöglichkeiten, Messen und Seminare findet ihr im zweiten Teil des Tempest, den ihr separat abonnieren müsst.
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