Muss ich für einen Fantasy-Roman genauso intensiv/genauestens recherchieren wie für einen Historienroman?

Ich schreibe gerade an meinem ersten Roman, der eine Mischung aus Historie (Mittelalter) und Fantasy darstellt. Nun drängt sich mir die Frage auf, ob ich hierfür auch genauso intensiv/genauestens recherchieren muss wie bei einem Historienroman?! Oder ist, weil ja "Fantasy", vieles dem Reich der Fantasie überlassen, was man so schreibt? Also z. B. hat der König seinem Ritter/Hauptmann gerade eine Burg geschenkt ... aber soweit ich weiß, ging das Lehen vom König zuerst an die/den Fürsten/Grafen/Bischöfe und von dort weiter an die Ritter etc. Ist solches in einem Fantasyroman relevant? Auf welche Details muss ich achten/gilt es zu beachten?

Viele Fantasy-Welten bedienen sich bei Herrschaftsstrukturen, Gesellschaftsformen und Alltagsbildern des Mittelalters oder anderer Kulturen. Dies sind aber stets nur Anleihen.

Wenn es deiner Fantasy-Welt und der Geschichte dient, dass der König seine Ritter als Sonderkampftruppe unter seinem Kommando führt, dann kann er sie auch mit Gütern oder Lehen direkt beschenken. Das mag das übliche Verfahren sein oder nur bei besonderen Verdiensten des Ritters für seinen König. (Was wiederum andere neidisch machen könnte → Konflikte!)

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

a) Die Burg ist mit Landbesitz verknüpft, das Adligen gehört, die der König mit der Burgschenkung an seinen Ritter zu Heimatlosen macht (absichtlich), – und wie geht der Ritter damit um?

b) Die Burg ist eine Wehrburg und verfügt über keine Ländereien; dann wird der König sie nicht verschenken, denn wovon sollte der Ritter mit seinem Hausstand dort leben, wenn nicht von Raubritterei? Also wird der König seinem Ritter die Burg als Wehrkommando übertragen, als Wachtposten, und für die Versorgung gerade stehen.

c) Die Burg und das Land gehen an den Ritter, da die Burg (und andere?) verwaist ist; damit ist der König seinen Ritter los, denn der muss sich ab sofort um Burg und Ländereien kümmern.

d) Der König will diesen Ritter loswerden und schenkt ihm eine heruntergekommene, verwahrloste Burg in gefährlicher Gegend (Räuber, Grenzgebiet, Dracheneinflugschneise).

e) Es ist eine neue Burggründung, und der Ritter muss mit seinem Gefolge erst einmal dafür sorgen, dass sich Handwerker, Händler, Bauern und andere im Umland ansiedeln; könnte eine Landnahme im Grenzgebiet sein ...

Du siehst, jede Version bringt andere Konsequenzen für die Geschichte. Falls es dir nur darum geht, den Ritter vom König belohnen zu lassen, dann erlaube dem König, dem Ritter ein besseres Pferd, eine sehr gute Rüstung, andere Waffen oder Ähnliches zu schenken.

Wichtig ist, dass du innerhalb deiner Welt konsequent bleibst. Wenn vom König Burgen an Ritter vergeben werden, dann ist das so, aber es muss Konsequenzen haben und stringent sein, d. h. jeder Ritter müsste in der Lage sein, eine Burg vom König zu erhalten. Was etwa nicht der Fall sein könnte, wenn das Königreich sehr klein und die Ritter sehr zahlreich wären. Dann gäbe es sicherlich ein Auswahlverfahren oder besonders schwierig zu erfüllende Bedingungen. Du siehst, je nach Grundbedingung ändern sich die Konsequenzen. Solange das Setting in sich logisch bleibt, kannst du bei Fantasy ausstatten, wie du magst.

Was das Historische betrifft: Die Landes-Herren, die Landbesitzer, waren in der Regel im Mittelalter die Adligen (Graf, Herzog, Fürst). Der Ritterstand hingegen war ein Militärorden, in den auch Handwerker und andere Nicht-Adlige aufgenommen werden konnten (zumindest bis zum Spätmittelalter, bevor Kaiser Friedrich II. bestimmte, dass nur "ritterbürtige" in den Ritterstand kommen konnten). Mit Landbesitz ging er nur selten einher. Wer wenig besaß, musste reich heiraten oder Kriegsbeute hart erkämpfen. Burgen jedoch waren Adelsbesitz und wurden vererbt. Solange sie nicht Wehrburgen der Ritterschaft waren. Oder sie wurden von Königen an Ritterorden verschenkt, die sie dann an die Mitglieder verpachteten.

beantwortet von: Stefanie Bense (15-7)