Können Sie mir ein paar Tipps, Tricks und Ideen aus Ihrer Erfahrung als Reisebuchautorin geben?

Seit fünf Jahren schreibe ich Beiträge für Reisezeitschriften, habe Praktika bei GEO und Baedeker gemacht und bislang zwei kleine Reiseführer geschrieben, ein weiterer ist in Arbeit. Der Grund für meine Mail ist die Tatsache, dass mir das Schreiben viel Spaß macht, ich aber - wie wohl viele andere - noch weit davon entfernt bin, mir damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Daher wäre es toll, wenn Sie Zeit und Muße fänden, mir ein paar Tipps und Tricks, Ideen oder Denkanstöße aus Ihrer bisherigen Erfahrung als Reisebuchautorin zu verraten.

Die Mitarbeit bei Reisemagazinen, die Praktika und die beiden Reiseführer sind schon mal eine gute Voraussetzung, mit einem Vorschlag in Reiseverlagen auf Aufmerksamkeit zu stoßen. Mit diesen "Pfunden" sollten Sie auf jeden Fall wuchern – mit einer übersichtlichen Liste Ihrer Veröffentlichungen bzw. Präsentation Ihrer Kenntnisse und evtl. einer oder mehrerer Leseproben.

In der Regel arbeiten Reiseverlage gerne mit ihren bewährten (Haus-)Autoren zusammen, sind aber auch immer auf der Suche nach neuen. Bei Ihrer Selbstdarstellung sollten Sie sich als Spezialist ausweisen - für ein Land, einen Kulturraum oder für eine bestimmte Form des Aktivtourismus (Wandern, Paddeln). (Wenig Chancen haben dagegen Autoren, die über alles schreiben wollen.) Häufig kommen Reiseführer-Verlage tatsächlich über solche Initiativvorschläge (nenne ich es mal) zu ihren Autoren.

Wichtig ist auf jeden Fall, sich in einer großen oder spezialisierten Buchhandlung mal die Verlagsprogramme anzuschauen (oder jeweils auf den Websites von Reise-Know-how, Loose, Polyglott, Vista Point, Nelles, Marco Polo, DuMont etc.); viele große Verlage haben kaum noch "weiße Flecken" auf der Weltkugel. Schauen Sie einfach, was Sie selbst am meisten interessiert und welcher Verlag da noch eine Lücke hat. Ein Exposé, das erkennen lässt, dass Sie sich die Bücher des Verlags genau angeschaut haben, wäre ein weiterer Pluspunkt für Sie, da Reiseführer immer Auftragsarbeiten sind und sich jeweils streng an den Vorgaben des Verlags orientieren müssen (unaufgefordert eingereichte Manuskripte gibt es in diesem Bereich so gut wie nicht). Noch mehr Pluspunkte sammeln Sie, wenn Sie auch konkrete Aussagen zum Tourismus in dem von Ihnen vorgeschlagenen Gebiet machen können (Zahlen bekommt man zum Beispiel von den Fremdenverkehrsämtern, auch auf den Websites von Tourismusministerien, manchmal bei statistischen Bundesämtern o. Ä. Allerdings sind für einen deutschen Verlag nur nach Herkunftsländern differenzierte Zahlen interessant, nicht das internationale Gesamttourismusaufkommen).

Unglücklich ist es auf jeden Fall, ein Buch vorzuschlagen, das der Verlag schon im Programm hat. Zwar werden auch mal Nachfolgeautoren für bereits bestehende Reiseführer gesucht (z. B. wenn der derzeitige Autor sich beruflich verändert hat und sein Buch nicht mehr fortwährend aktualisieren möchte), aber so etwas ergibt sich eher im mündlichen Gespräch, wenn bereits ein Kontakt zum Verlag besteht. Es ist auch kein gutes Entree, einem Reiseführer aus dem Programm zahllose Fehler nachzuweisen und anzubieten, es selbst besser zu machen. Zwar hat wahrscheinlich jeder Verlag solche "Fehlgriffe" im Programm (und kennt sie meist auch selbst), aber zunächst einmal müssen ja Sie nachweisen, dass Sie Experte für ein Land, eine Region oder eine Stadt sind, gut schreiben können und zuverlässig vor Ort recherchieren.

Zum Thema Geld: Die wenigsten Reiseautoren, die ich kenne, können vom Schreiben leben - oder besser gesagt: Die, die es können, sind meist Journalisten, nicht reine Buchautoren. Nur wem es gelingt, sein Spezialwissen und seine Schreibfähigkeiten in verschiedenen Medien (ob Print, Rundfunk, online oder was auch immer) mehrfach zu verwerten, kommt tatsächlich auf ein Einkommen, von dem er oder sie auch leben kann. Da sind Kontakte, wie Sie sie vielleicht bereits zu Redaktionen haben, Gold wert.

Soweit ich aus meiner eigenen Buchmessenerfahrung Rückschlüsse ziehen kann, hat eine schriftliche Bewerbung mehr Chancen, wahrgenommen zu werden, als der Versuch, in Frankfurt (ob mit oder ohne Termin) mal schnell Selbstmarketing zu betreiben. Aber das nur unter Vorbehalt, ich weiß nicht, ob diese Aussage repräsentativ ist.

Und eine Anmerkung, falls es klappt: Reiseführer haben häufig ganz viele Auflagen, müssen aber auch regelmäßig dem sich wandelnden Reiseverhalten angepasst werden. Daher gehört zu den von Ihnen als Autor gewünschten Qualifikationen auch die Bereitschaft, immer wieder in die jeweilige Region zu reisen, die Nachauflagen vor Ort zu aktualisieren und über touristische Entwicklungen im Land auf dem Laufenden zu sein.

beantwortet von:Gabriele Kalmbach (4-02)